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19.01.2020 - WS

… das die Sünde der Welt hinweg nimmt


Mit dem Wort „Sünde“ können die meisten heute kaum etwas anfangen. Wir kennen wohl den Verkehrssünder, und nach den vielen Feiertagen mag auch die eine oder andere „Sünde gegen die schlanke Linie“ Waage und Gemüt belasten. Aber an solche kleinen Fehltritte oder schiefe Gewohnheiten denkt Johannes der Täufer mit Sicherheit nicht, wenn er sagt: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt“. Er denkt noch nicht einmal an die größeren Brocken, die unser Gewissen wirklich belasten sollten; weil wir wissen, dass wir da irgendwo völlig danebengepackt haben.

Nein, Johannes meint die Sünde der Welt. Das Urübel, das darin liegt, dass Menschen mit allem rechnen, nur nicht mit Gott. Dass ihnen alles, was sie nicht anfassen, nicht nutzen und nicht benutzen können, gleichgültig ist. Dass sie sich im Grunde immer nur um sich selber drehen.

Das Wort „Sünde“ gehört zu demselben Wortstamm wie „absondern“ oder wie das Wort „Sund“, mit dem man den Abstand einer Insel vom Festland bezeichnet. Denken Sie mal an Fehmarn-Sund; Øresund oder Strelasund. Sünde meint das Abkoppeln, das Leugnen von Bindungen, Fehlen von Beziehung.

Das ist die Sünde, die Jesus hinweg nehmen will. Den Kontaktverlust, die Absonderung von Gott: Diese Lebenshaltung, die alles Mögliche ausrechnet und berechnet, sich aber nicht darum schert, was Gott denn wohl will.

Das allererste Buch der Bibel liefert eine bildhafte Erzählung, wie es zu dieser Absonderung gekommen sei. Wir kennen die Geschichte: Adam und Eva. Bilder, bunte Bilder, die uns illustrieren wollen, dass das Pflücken und das Verspeisen der verbotenen Frucht nur die äußere Konsequenz davon ist, was im Kopf und im Gemüt der Menschen schon vorher stattfindet: Man möchte sich nichts vorschreiben lassen, selbst rausfinden und entscheiden, was gut und richtig ist. Die Schlange in jener uralten Geschichte flüstert es uns heute noch ein: Glaubt doch nicht so einfach, was Gott euch sagt. Entscheidet selbst über richtig und falsch!

Die Adam-und-Eva-Legende beschreibt, wie es heute immer noch ist: Es liegt offenbar in den menschlichen Genen, selbst definieren zu wollen, was richtig ist. Wir wollen uns nichts vorschreiben, mitunter nicht einmal anraten lassen. Wir sind unsere eigenen Herren. Verantwortung, wenn überhaupt, dann allenfalls vor uns selbst!

Diese Absonderung – so sagt Johannes – nimmt das Lamm Gottes weg. Das Lamm Gottes fügt wieder zusammen, was ursprünglich und immer noch zusammengehört. Gott und die Welt; Gott und die Menschen. Gott will uns nicht unterdrücken. Er will unser gutes – in jeder Hinsicht – gutes Leben.

Jesus, das Lamm Gottes, kann aber nur so viel und so weit wieder zusammenfügen, wie wir ihn lassen; wie wir es zulassen und mitmachen. Ob Jesus die Kluft zwischen Gott und der Welt hinwegnimmt, liegt zu ganz erheblichen Teilen an uns.

„Dein Wille geschehe“, hat Jesus gesagt, gewiss nicht nur einmal. Er hat sein Leben so gelebt. „Dein Wille geschehe“ ist die dritte Bitte im Vaterunser. Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, was wir da beten! Gottes Wille fällt nicht vom Himmel. Er geschieht durch uns, durch unser Denken, unser Handeln. Gott kann Seinen Willen auf dieser Erde nur durch uns realisieren. Insofern war es nicht nur das Lamm Gottes vor 2000 Jahren, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Wir – seine Nachfolger – müssen es ebenso, immer noch tun.

Text: Theo Breul (Predigt am 19. Januar 2020)

Foto: Friedbert Simon (Ausschnitt aus dem Südportal des Münsters Unserer Lieben Frau in Villingen-Schwenningen.)

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