St. Dionysius Elsen im Pastoralverbund Elsen-Wewer

Kirchenchor Cäcilia Wewer: 100 Jahre Gesang zum Lob Gottes

1913 legte Clemens Kruse mit der Gründung eines Männerchores in Wewer den Grundstein des heutigen Chores. Unter der Leitung von Hauptlehrer Joachim Bieling sangen 1920 rund 30 Männer. Zur Verstärkung des kriegsbedingt ausgedünnten Tenors unterstützte der von Lehrer Josef Meier geleitete Frauenchor die Männer. Daraus entwickelte sich rasch ein gemischter Chor – der Kirchenchor Wewer. 1945, durch den Beitritt zum Diözesan-Cäcilienbund, wurde er offiziell zum Kirchenchor Cäcilia Wewer umbenannt. Bis 1948 lenkte Joachim Bieling die Geschicke des Chores und übergab am 26. Oktober 1949 den Taktstock an den kürzlich verstorbenen Bernhard Rammert.

 

Bernhard Rammert erarbeitete kontinuierlich ein umfangreiches Repertoire an geistlicher und weltlicher Musikliteratur und feilte unermüdlich an der sängerischen Kompetenz. Als Rektor der Weweraner Schule holte er neue Sängerinnen und Sänger von der Schulbank in den Chor. Viele der heute über 60 Aktiven des Chores wurden von Bernhard Rammert als Lehrer in der Schule unterrichtet oder erhielten bei ihm Klavier- bzw. Orgelunterricht. Volker Odenbach formulierte anlässlich der Verabschiedung von Bernhard Rammert nach 44 Jahren als Chorleiter am 10. Januar 1993: „Unter Ihrer Leitung hat sich der Chor zu einem Vokalinstrument entwickelt, das vielstimmig das Lob des Höchsten erklingen ließ.“

 

Zwischen 1993 und 1995 lenkten Antonius Fischer und Peter Ewers die Geschicke des Chores. 1996 trat dann Eduard Rammert in die Fußstapfen seines Vaters und setzte bis 2006 mit Mendelsohns „Hör mein Bitten“ und das „Magnifikat“ sowie mit Messen von Mozart und Haydn eigene musikalische Akzente. Neue Wege ging der Chor in den Jahren 2004 und 2005 mit den Aufführungen „Farbklänge im Advent“: Die musikalischen Beiträge in der Weweraner Pfarrkirche wurden durch aufwändiges Lichtdesign in Szene gesetzt.

 

Auf ihn folgte 2006 Daniel Beckmann, ein junger Organist und Kirchenmusiker aus dem Sauerland, der seine Studien an der Musikhochschule Detmold mit Auszeichnungen absolviert hatte.  Unter seiner Leitung sang der Chor u.a. Mozarts Krönungsmesse sowie die Weihnachtsoratorien von Bach und Saint Saens. 2010 wird Daniel Beckmann als jüngster Domorganist Deutschlands an den Mainzer Dom berufen.

 

Seinen Taktstock übernimmt bis 2012 der Weweraner Organist Sebastian Freitag, der seit August 2011 auch Interims-Domorganist am Paderborner Dom und heute Dekanatskirchenmusiker in Paderborn ist. Seit 2012 hält nun erstmals eine Kirchenmusikerin den Taktstock des Kirchenchores Cäcilia Wewer in den Händen. Christiane Goeke-Goos, Organistin und Kirchenmusikerin, studierte an der Kölner Musikhochschule und war viele Jahre Kantorin an der Kölner St. Andreas-Kirche. Anlässlich des 100jährigen Jubiläums sprach Heike Probst mit ihr über Kirchenmusik, das Jubiläumskonzert und ihre Wünsche für den Chor.

 

Der Weweraner Kirchenchor wird 100 Jahre alt. Ist das in Zeiten zurückgehender Mitgliedszahlen in Kirchenchören ein eher seltenes Jubiläum?

 

100 Jahre sind außergewöhnlich! Der Chor freut sich sehr auf dieses Jubiläum und möchte es würdig  im Rahmen eines Konzertes feiern. Die ganze Gemeinde ist herzlich dazu eingeladen !

 

„Kirchenmusik ist eines der Fundamente kulturellen Lebens in Geschichte und Gegenwart. Sie ist ein wesentlicher Faktor musikalischer wie religiöser Bildung in Deutschland. Über ihren kirchlichen Verkündigungsauftrag hinaus entfaltet sie kulturelle Prägungskraft in die Gesellschaft hinein. “ ist in der Resolution zur Kirchenmusik in Deutschland des Deutscher Musikrates im Rahmen des Kongresses „Einheit durch Vielfalt – Kirche macht Musik“ aus dem Jahr 2010 zu lesen. Wie sehen Sie das?

 

Wie könnte ich das besser formulieren ? Selbstverständlich teile ich die Auffassung des Deutschen Musikrates. Der Umgang mit Musik ist ein ganz kostbares und wertvolles Gut, welches wir alle pflegen sollten – jeder nach seinen Möglichkeiten. Die Musik in ihrer Vielfalt ergreift, beeinflusst, begeistert, motiviert und öffnet die Grenzen –  Kirchenmusik kann  sogar die Herzen öffnen! Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden. Da spricht Seele zu Seele. Das hat sicherlich jeder schon einmal erfahren.

 

Am diesjährigen Christkönigs-Sonntag, dem Tag des Jubiläumskonzerts, endet das Kirchenjahr, das unter dem Motto „Jahr des Glaubens“ stand. Der verstorbene Weweraner Pfarrer Josef Grzemba hat einmal gesagt: „Wer singt betet doppelt!“ Was hat Ihrer Meinung nach der Gesang mit dem Glauben zu tun?

 

Kirchenmusik und Glaube sind nicht voneinander zu trennen. Wo Glaube ist, da ist auch Lachen –  da ist auch Musik. Durch Kirchenmusik kann das gesprochene Wort noch nachhaltig intensiviert werden – unser Glaube lässt uns dann manchmal über uns hinaus wachsen. Kirchenmusik kann das gesprochene Wort unterstützen und nicht selten eine intensivere Beziehung zum Wort und zum Glauben schaffen – das habe ich in meiner Tätigkeit als Kirchenmusikerin in all den Jahren immer wieder auf eine mannigfaltige, beeindruckende und tief empfundene Art und Weise erfahren. Immer wieder durfte  ich durch die Symbiose von Glauben und Kirchenmusik glückliche Menschen erleben. „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist,“ hat es Victor Hugo formuliert.

 

Der Chor feiert sein rundes Jubiläum natürlich mit Gesang. Was erwartet denn die Besucher am 24. November?

 

Die Besucher erwartet ein sehr farbiges und interessantes Konzertprogramm, gestaltet von hervorragenden, international bekannten Solisten, einem aus  versierten Musikern zusammen gestellten Orchester und einem hoch motivierten Chor, der sich seit  vielen Wochen auf dieses Jubiläum vorbereitet und voller Freude diesem Tag entgegensieht. Das 100jährige Jubiläum ist für unseren Chor eine große Herausforderung. Selbstverständlich sind die Besucher auch eingeladen, gemeinsam mit uns zu musizieren.

 

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Arbeit mit dem Chor?

 

Die bisherigen Schwerpunkte seit Beginn meiner Arbeit mit dem Chor vor zwei Jahren lagen eindeutig im Bereich der englischen Chormusik und der Kompositionen der Romantik. Wir haben zusammen viel gearbeitet, manchmal sogar hart gerungen, aber schon viel Schönes erreicht. Für die Zukunft wünsche ich mir ein noch breiter gefächertes Spektrum an Chormusik unterschiedlicher Epochen und viele innovative und singenshungrige Sängerinnen und Sänger.  A priori sollten wir uns bemühen, neue Männerstimmen zu akquirieren, damit wir weiterhin mehrstimmig singen können  – darauf müssen wir in naher Zukunft  unser Augenmerk richten. Es gilt, viel neue und interessante Chorliteratur zu entdecken und in wundervolle Musik umzusetzen. Da haben wir noch viel zu tun …

 

Wenn Sie drei Wünsche für den Chor hätten, was würden sie ihm wünschen?

 

Zuerst wünsche ich dem Chor ganz viel Neugierde. Neugierde, immer neue Musik und Klänge zu entdecken und sich davon begeistern zu lassen.

 

Zweitens wünsche ich mir, dass der Chor sein zweifelsohne eindeutig vorhandenes Potenzial immer wieder erkennt und weiter ausbaut.

 

Mein dritter Wunsch für den Chor ist, dass er in den nächsten hoffentlich 100 Jahren ganz viel Freude durch die Musik erleben darf. Es ist nicht immer einfach, regelmäßig zu den Proben zu erscheinen, man braucht dazu manchmal eine gehörige Portion Disziplin und Courage. Trotzdem: Für diesen Einsatz bekommt jeder Sänger sehr viel zurück. Singen verbindet, stärkt uns für unser tägliches Leben, erweitert unseren Horizont und macht uns glücklich.

 

Vor einiger Zeit erzählte mir ein Mitglied unseres Chores: „Meine Frau sagt immer: ah…, morgen ist wieder Donnerstag, Chorprobe….., da weiß ich, dass Du – wenn Du nach Hause kommst – wieder so gut gelaunt bist.“ Das kann ich nur unterstreichen. Musik spricht für sich allein, vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance.

 

Lassen Sie mich mit den Worten von Ludwig van Beethoven schließen: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.“

 

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Der Kirchenchor Cäcilia Wewer probt immer Donnerstags von 20.00 bis 22.00 Uhr im Pfarrzentrum. Neue Sängerinnen und vor allem Sänger sind herzlich willkommen. Notenkenntnisse sind keine Voraussetzung, dafür aber Begeisterung und Freude für das gemeinsame Erarbeiten von geistlicher Musik.

 

Christiane Goeke-Goos studierte an der Musikhochschule Köln katholische Kirchenmusik (A-Examen) und Orgel-Instrumentalpädagogik u.a. bei Prof. Clemens Ganz und Prof. Michael Schneider.

Nach dem Studium war sie lange Jahre Kantorin in St. Andreas, einer der zwölf romanischen Kirchen Kölns. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit führt sie ins In- und Ausland und sie arbeitet mit unterschiedlichen Chören und zahlreichen Ensembles und Orchestern wie der Russischen Philharmonie St. Petersburg auch für Rundfunkaufnahmen zusammen. Seit mehreren Jahren ist Christiane Goeke-Goos freiberuflich tätig, u.a. als Vertretungsorganistin im Paderborner Dom. Seit 2012 leitet sie den Kirchenchor in Wewer.

 


 

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